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La Ferme de la Culture Sauvage

Selbstversorgung in Zeiten des Umbruchs

Seit anderthalb Jahren befinden wir uns in einer merkwürdigen Zwischenphase. Mit Blick in Richtung Westen, genauer gesagt in Richtung der Vogesen, waren wir damals von Ravensburg aus in den Schwarzwald gezogen. Hier wohnen wir auf einem alten Schwarzwaldhof über dem Kuhstall. Wir bewirtschaften einen (halben) Bauerngarten, helfen dabei Holz aus dem Wald zu holen und zu stapeln, machen Joghurt aus der Milch der Kühe, sammeln wilde Kräuter...

Dann kam das Haus im Land der Tausend Seen, das wir mieten wollten und das uns fast ein Jahr lang den Kopf verdrehte. Das letzte halbe Jahr davon waren wir praktisch immer auf dem Sprung, denn von Monat zu Monat rechneten wir damit, nun endlich umziehen zu können. Darüber, dass und wie daraus nichts wurde, haben wir hier geschrieben.

Nach dem Ende dieser kleinen, süßen Liason änderten sich unsere Pläne gewaltig. Wir haben uns gefragt, wie wir die Enttäuschung über diesen Verlust in etwas Produktives wandeln können. Und wir kamen zu dem Schluss: wir wollen nicht mehr mieten - wir wollen etwas ganz eigenes.

Und so nimmt die Suche nach einem Hof noch immer große Teile unserer Aufmerksamkeit und Zeit in Anspruch. Wenn wir Höfe besichtigen, Links zu Angeboten durchforsten, Makler kontaktieren.

In diesem ganzen Trubel, in dieser Zeit der Haltlosigkeit und des (gefühlt) immer kurz bevorstehenden Umbruchs wollen wir aber auch den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Und zwar den, in dem die Möhren und Erbsen und der Giersch wächst, wegen denen wir - unter anderem - uns überhaupt die ganze Mühe machen.

Und deshalb...

Wir machen weiter! Aber womit?

In den letzten Wochen, grade jetzt wenn die Gartenzeit so richtig los geht, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Arbeit, die wir in unsere Selbstversorgung stecken, möglichst sinnvoll einsetzen, wie wir also flexibel bleiben und einfach und schnell ernten können, grade dann, wenn wir doch kurzfristig umziehen wollen.

Was kommt also in Frage?

Alles, was unabhängig vom Garten ist

SauerteigbrotNatürlich geht es mit allem weiter, was bodenunabhängig ist: wir backen Brot aus eigenem Sauerteig, machen Joghurt aus der Milch vom Hof, lassen in einem Keimglas Sprossen in der Küche sprießen. Nicht immer alles davon. Nicht immer erfolgreich. Aber trotzdem: immer irgendwas.

KeimlingeAußerdem wollen wir uns an Microgreens versuchen. Das sind - kurz gesagt - die Jungvarianten verschiedenster Pflanzen, die nur schon nach 2, 3 Wochen und damit in einem frühen Stadium geerntet werden. Im Gegensatz zu Sprossen wachsen sie aber im Substrat, sollten Licht bekommen, werden in der Regel ohne Wurzel gegessen und erst dann geerntet, wenn schon ein paar Blätter außer den Keimblättern (oder wie ich sage: Solarpaneele, also die allerersten Blättchen) zu sehen sind.

Wir wollen auch noch einige keimende Kartoffeln in Kübel pflanzen, die dann entweder weiter im Haus wachsen können oder irgendwann doch noch in einen Garten gepflanzt werden.

Außerdem sind ein paar gekeimte Zwiebeln zum einen in ein Glas mit Wasser am Boden, zum anderen in Töpfen mit Erde gezogen - von ihnen ernten wir das Grün.

Alles, was schnell wächst

Kein Mensch weiß, wie lange wir noch an unserem jetzigen Wohnort sein werden. Im Moment gehen wir davon aus, dass wir mindestens noch ein paar Monate hier sein werden. Und so machen wir aus der Not eine Tugend und konzentrieren uns in diesem Jahr im Garten auf schnelle Kulturen.

Dazu zählen natürlich alle möglichen Salate wie Portulak, Pflücksalate, Asiasalate, Salatrauke, Rukola - und viele mehr.

RadieschenAußerdem Radieschen, die innerhalb weniger Wochen reif werden und die man - sollte es doch NOCH schneller gehen müssen, auch als Microgreen verzehren kann. Die ersten von ihnen zeigen sogar schon ihre roten Knollen.

Und dann sind da noch Spinat und Mangold, die man jung (und ich finde sie dann sogar noch besser) sowohl im Salat als auch gekocht essen kann.

Zwei Reihen Zuckererbsen strecken zudem schon die ersten Blättchen aus der Erde. Und auch Bohnen sollen ihren Platz bekommen.

Alles, was man auch unfertig essen kann

MangoldWenn wir Kürbisse oder Tomaten anbauen, entsteht erst das grüne Grundgerüst und dann - nach mehreren Monaten - die Frucht. Wir haben es für dieses Jahr aber vor allem auf Gemüse abgesehen, die wir im Zweifelsfall auch unfertig essen können, das heißt schon in jedem Stadium vor dem, in dem das Gemüse üblicherweise geerntet wird.

Auch manche Microgreens zählen dazu - jedoch geht es hier um die, die nicht nur im frühen und späten Stadium genießbar sind, sondern in jedem. Dazu zählen etwa Radieschen, Möhren, Spinat, Mangold und Salate.

Unsere Mehrjährigen

Schon im letzten Herbst rechneten wir Monat für Monat damit, demnächst umziehen zu können. Und da mit uns auch unsere mehrjährigen Pflanzen umziehen, haben wir diese gegen Ende des Jahres nur noch sehr sporadisch gepflegt und auf den Winter vorbereitet.

Das holen wir jetzt nach. Gerade wenn man einen hohen Anteil an Selbstversorgung erreichen und möglichst immer auch etwas Frisches dabei haben möchte, sind mehrjährige Pflanzen ideal. Sie machen wenig Arbeit und haben früh im Jahr einen Vorsprung vor den meisten andern.

Unser KräuterhügelWir wollen unseren Anteil an Mehrjährigen von Jahr zu Jahr steigern. Zu Beginn des Jahres waren wir bereits stolze Besitzer eines (leider im Moment etwas schwachen) Rhabarbers, eines mehrjährigen Meerkohls, mehrerer Ampfersorten sowie vieler vieler Kräuter und Heilpflanzen von Salbei und Schnittlauch, über Pfefferminze bis hin zu Baldrian, Echinacea und Mutterkraut.

Ewiger KohlVor ein paar Wochen haben wir noch einmal aufgestockt um weitere Meerkohlpflanzen sowie Pflanzen des Ewigen Kohls, um Koriander, Schlitzwegerich, Blutampfer, Gartenknofi und weitere.

Topinambur zählt eigentlich nicht zu den mehrjährigen Pflanzen. Jedoch läuft bei mir das Ernten, Auswählen der besten Knollen und Pflanzen in einem Schritt, so dass ich praktisch keine extra Arbeit mit ihm habe und er sich irgendwie doch mehrjährig anfühlt.

Alles, was wild wächst

Von Jahr zu Jahr wird unser wilder Anteil an der Ernährung größer. Zum einen weil wir immer mehr essbare, wilde Pflanzen kennen lernen (und in der Umgebung finden), zum anderen weil wir sie immer mehr schätzen und schließlich weil wir auch immer mehr Zubereitungsmöglichkeiten finden, die uns schmecken.


Alles, was man üblicherweise unter Unkraut verbucht, steht bei mir ganz oben auf der Favoritenliste, denn die werden maßlos unterschätzt und oft ohnehin ausgebuddelt. Unsere drei wichtigsten Wildpflanzen sind Giersch, Gundermann und Brennnessel - alle drei sind extrem lecker und üppig und über viele Monate hinweg vorhanden. Außerdem essen wir regelmäßig Löwenzahn, Sauerampfer, Taubnessel, Klee, Gänseblümchen, Vogelmiere, Blutampfer. Sowie im Frühjahr Bärlauch.

Was uns sonst noch einfällt...

Was wir selber machen ist naturgemäß immer nur ein Ausschnitt aus dem was möglich ist. Deshalb hier noch ein paar Extraideen für die Selbstversorgung als Heimatloser:

  • Wachteln, Hühner, Enten, Bienen; die mit umziehen können
  • Pilze (sofern ihr Anbausubstrat mitgenommen werden kann; bei Pilzboxen z.B.)
  • vertikale Fenstergärten
  • ...

Und Du?

Hast Du weitere Ideen für diese Art der Selbstversorgung? Dann lass es uns doch in den Kommentaren wissen oder schreib uns eine Nachricht. Wir freuen uns über Anregungen! :-)

26.05.2017
Nadine
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